Lexikon: Der Hovawart - Geschichte über uns Der Hovawart ist eine verhältnismässig junge Rasse, obwohl sein Ursprung weit zurück in der Vergangenheit liegt. In mittelalterlichen Schriften wird er als zuverlässiger, mutiger Wächter und Verteidiger des Hofes beschrieben. Sein Name leitet sich aus dem mittelhochdeutschen Wort "Hovawart" oder auch "Hofwarth" - Wächter der Habe (hova) und des Hofes - her. Schon im 13. Jahrhundert wurden die "großen hofwarten, zotthaarig und hängeohrig" von Albertus Magnus erwähnt und in ihrer Funktion "zum ußspüren der dieb und der bösewicht" beschrieben. In einer Übersetzung heißt es: "Ein Hund heißt Hovewart, der jemanden Häuser und Höfe Tag und Nacht hütet ..." Auch in Berichten und Bildern des 15. Jahrhunderts erscheint die Rasse als Aufspürer von Dieben. Somit haben wir den Hofwart oder Vor- Schäferhund als "Polizeihund" schon über 700 Jahre. Der heutige Hovawart ist eine Rekonstruktion dieses alten Hof- und Bauernhundes, die Anfang des 20. Jahrhunderts entstand. Man wollte eine neue Schutzhunderasse züchten, die im Gegensatz zum Deutschen Schäferhund über eine gewisse Eigenständigkeit verfügt. Als Kurt Friedrich König und sein Vater Bertram König nach "überlegsamen Hunden", d.h. Hunden mit der Fähigkeit zu situationsgerechtem Handeln suchten, stießen sie immer wieder auf diese starkknochigen, lang- oder zotthaarigen Hunde mit Hängeohren.   Erste Versuche zur Rekonstruktion des Hovawarts gehen auf die Jahre vor 1910 zurück. Im Zuchtbuch wurde 1922 der erste Wurf von C. König eingetragen. Von geplanten Verpaarungen in Richtung Hovawart kann aber erst ab der Gründung eines neuen Hovawart-Schutzhunde-Vereins 1924 ausgegangen werden. Damit begann die eigentliche Reinzucht des Hovawarthundes, aus der König sich aber bereits 1926 für einige Jahre weitgehend zurückzog, um sich anderen Themen zu widmen. König hatte als Zuchtziel von Anfang an gefordert, "eine ausgesprochene Polizei- und Schutzhundrasse" zu züchten. Alle Züchter der ersten Jahre unterstützten diese Zielsetzung, und viele bildeten ihre Hunde aus, und legten Schutzhundprüfungen ab. Diese engagierten Züchter übernahmen nun die Herauszucht des großen mittelalterlichen Hofhundes im 1931 neu gegründeten "Reichsverband der Schutzhund-Leistungszüchter" (RSL). Dazu verwendeten sie ausgewählte Bauernhunde aus dem Schwarzwald, Odenwald und Harz - karge Gegenden mit abgelegenen Höfen, rauhem Klima und einem idealen Betätigungsfeld für wetterfeste, robuste, zuverlässige Hofwächter. Diese Typhunde, also Hofhundbastarde, kamen dem Idealbild relativ nahe. Man hoffte, dass sich der ursprüngliche Hovawart in diesen Hunden erhalten hatte. Diese wurden mit verschiedenen Rassehunden gekreuzt: dem Kuvacz, dem Neufundländer, dem Sennenhund und dem Leonberger. Von besonderer Bedeutung ist die Einmischung langzotthaariger "altdeutscher Schäferhunde", die einen Anteil von fast 25 % erreichten. So war eine breite genetische Basis für die weitere Zucht geschaffen. Durch starke Selektionsmaßnahmen wurde der ursprüngliche Gebrauchshundetyp des Hovawarts wieder erreicht. Zuchtziel war die Erzüchtung eines deutschen Leistungshundes mit Mut, Schärfe, Kraft, Gewandtheit, Ausdauer, Widerstandsfähigkeit, Arbeitswille und Klugheit. 1937 wurde der Hovawart als Rasse anerkannt, aber noch 1940 wurde als letzte Einkreuzung eine sehr wahrscheinlich windhundähnliche "afrikanische Wildhündin" der Blutmischung zugeführt. 1944 wurde der Genpool dann geschlossen. Nach dem 2. Weltkrieg war der Bestand der Zuchttiere stark zurückgegangen. Die Züchter begannen - zunächst vereinzelt und auf sich alleine gestellt - die Zucht weiterzuführen und schlossen sich erst im Laufe der Zeit in eigenen Landesgruppen zusammen. So entstanden je nach Region unterschiedliche Hovawarttypen. Als der Hovawart 1964 wegen seiner hervorragenden Arbeitseigenschaften als 7. Dienstgebrauchshundrasse anerkannt wurde, war das ursprüngliche Zuchtziel erfüllt. Bereits 1965 begann man mit der systematischen Bekämpfung der Hüftgelenksdysplasie (HD).